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PIN-UP     1994

Yann     Philippe Berthet

Originaltitel: Pin-up
Erstveröffentlichung: Dargaud Éditeur (Frankreich)
Pseudonym: Yann ist Yannick Le Pennetier
Deutsche Ausgabe: Salleck Publications 1997

Mit seiner ersten Albumserie, der 1981 mit dem Autor Cossu begonnenen Tetralogie Der Ideenhändler, hatte sich der französische Zeichner Philippe Berthet (*1956) in die Zukunft gewagt, seine zweite, Pin-up, entstand 1994 zusammen mit Yann (*1954) und führt in die Vergangenheit, genauer: zurück in die Zeit des Zweiten Weltkriegs, der für Yann und Berthet zum Ausgangspunkt wird für eine Art Chronik des Kalten Krieges. Im Mittelpunkt steht dabei das junge amerikanische und anfangs noch arg naive Mädchen Dorothy Partington alias Dottie, von deren Abenteuern Yann in Zyklen von jeweils drei Alben erzählt. Der erste beginnt damit, dass Dotties Verlobter Joe eingezogen und in den Krieg gegen Japan in den Pazifik verfrachtet wird. Während Joe sich bald durch unwegsame Dschungel kämpfen muss, stellt sich Dotti zu Hause dem Comic-Zeichner Milton als Aktmodell für den Strip Poison Ivy zur Verfügung, dessen Erotik die Stimmung der G.I.s an der Front aufpäppeln soll.

Berthets Milton ist dabei Milton Caniff, dem Zeichner des Zeitungsstrips Terry and the Pirates, wie aus dem Gesicht geschnitten, und das nicht von ungefähr: Caniff zeichnete ab 1942 tatsächlich einen solchen Strip – Male Call mit Miss Lace („unschuldig, aber höllisch sexy“) als Heldin –, der von über 3000 Armeezeitungen gedruckt und von 16 Millionen US-Soldaten gelesen wurde. Doch ist das nur eine von etlichen Anspielungen auf die zeitgenössische Popkultur (Dottie etwa ist ein Abbild des berühmten Pin-up-Girls Betty Page), die Pin-up auszeichnen: Statt auf Schlachten und kriegerische Auseinandersetzungen richten Yann und Berthet in ihren Erzählungen das Augenmerk vielmehr auf die von der Zeit geprägten Lebenswelten ihrer Protagonisten. Der zweite Zyklus spielt in den Fünfzigerjahren, der dritte während des Vietnamkrieges. Ein vierter begann 2011 mit dem Band Dossier Alfred H. ACK

(aus Paul Gravett (Hg.): 1001 Comics, die Sie lesen sollten, bevor das Leben vorbei ist,
Edition Olms, Zürich 2012)

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