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DIE REISE MIT BILL     2010

Matthias Schultheiss

Erstveröffentlichung: Splitter (Deutschland)
Ehrung: Max und Moritz Preis (1986)
Ausstellung: Angoulême (1993)
Einfluss: Tanino Liberatore

Mitte der Achtzigerjahre war Matthias Schultheiss (*1946) in Sachen Comics der große Hoffnungsträger in Deutschland. Nicht aber, weil er zu dieser Zeit einer der ganz wenigen Zeichner überhaupt war, vielmehr war er der erste, der sich tatsächlich auf internationalem Niveau mit anderen Comic-Größen messen konnte. Vor allem in Frankreich wurde sein Talent schnell erkannt, Schultheiss‘ Trilogien Die Wahrheit über Shelby und Die Haie von Lagos erschienen dort noch vor der deutschen Ausgabe. Nach Frankreich wandte er sich in die USA, veröffentlichte Propellermann, und dann nach Japan. Doch als dort ein Projekt scheiterte, nachdem er bereits 400 von geplanten 700 Seiten gezeichnet hatte, zog sich Schultheiss vom Comic zurück und schrieb fortan nur noch Drehbücher.

Doch 2010 war er plötzlich wieder da – nicht in Albumform, wie man ihn in Erinnerung hatte, sondern mit einer fulminanten Graphic Novel mit beinahe 300 Seiten. Die Reise mit Bill ist ein gezeichnetes Roadmovie und erzählt von Luke und seiner Tochter Tweety, die ziellos über die Highways Nordamerikas gleiten, und deren einzige Fixpunkte Tankstellen, Motels und Diners sind. Bis sie eines Tages Bill begegnen und ihn mitnehmen. Bill ist ein junger Mann mit langen Haaren und Flügeln an seiner Baseball-Cap, wie sie früher The Flash trug, und er hat seine Beine bei einem Hubschrauberabsturz verloren. Im Gegensatz zu Luke hat Bill einen Traum – wieder laufen zu können –, und so schließen sie sich ihrem seltsamen Begleiter an.

In Die Reise mit Bill tauchen etliche Motive wieder auf, die man bereits aus früheren Arbeiten von Schultheiss kennt, insbesondere Sehnsucht und Melancholie, die sich in Landschaften wie in den Träumen der Protagonisten spiegeln. Vor allem ist Schultheiss‘ Comeback aber eine optische Reise durch die fast hypnotisch berauschende Zeichenwelt eines tatsächlichen Meisters seines Fachs. ACK

(aus Paul Gravett (Hg.): 1001 Comics, die Sie lesen sollten, bevor das Leben vorbei ist,
Edition Olms, Zürich 2012)

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